Die Prostitution gilt einem "bonmot" zufolge als das älteste Gewerbe der Welt. Unter Prostitution versteht man die Tatsache, dass Frauen oder Männer für Geld anderen Menschen, meist als Freier bezeichnet, Sex bieten. Auf diesen Gebiet gibt es viele Verhaltensweisen, die nicht eindeutig zu definieren sind, da die Grenzen zwischen normaler Sexualität und Prostitution fließend sind.
Soweit die heutige Wissenschaft die Entwicklung des Menschen zurückverfolgen kann, hat es auch bestimmte Formen der Prostitution gegeben. Interessant ist, wie sich in den verschiedenen Kulturen und in verschiedenen Zeitepochen die Einstellung zur Prostitution veränderte und sich oft stark unterschied.
In Babylon, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, dem heutigen Syrien, existierte bereits vor über 3 000 Jahren die sogenannte Tempelprostitutíon. In den Tempeln wurden, vor allem von Priesterinnen, sexuelle Handlungen gegen Geld bzw. Geschenke vollzogen. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484 v. Chr. - 424 v.Chr.) berichtete sehr viel später -was aber nicht beweisbar ist -, dass sogar jede Frau einmal im Leben in einem Tempel ihre Liebesdienste gegen Entgelt anzubieten hatte. Die Blütezeit des Babylonischen Reiches lag unter Hammurabi (1793 v. Chr. - 1750 v. Chr.) sowie unter Nebukatnezar (605 v. Chr.-562 v. Chr.).
Im Altertum, z.B. zur Zeit Alexanders des Großen (356 v. Chr. - 323 v. Chr, gab es zahlreiche Prostituierte, die mit den Heeren umher zogen.
Das älteste offizielle Bordell, das nach überlieferten Quellen im alten Griechenland errichtet wurde, soll Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. einen weit über die Grenzen Griechenlands reichenden Ruf besessen haben. In Pompeji, das im Jahre 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde, sind bis heute die Überreste eines Bordells erhalten.
In Japan blühte eine sehr verfeinerte Art der Prostitution, in Form der Geishas. Dabei kam es jedoch nicht zum Geschlechtsverkehr. Im abendländischen Kulturkreis wurden Mitte des 12. Jahrhunderts Bordelle erstmals urkundlich erwähnt. Zweihundert Jahre später dankte z.B. Kaiser Sigismund (1368-1437), anlässlich des Konzils von Konstanz, der Stadt für die Bereitstellung von Prostituierten. Das Konzil von Konstanz fand 1414 - 1418 statt und ging vor allem dadurch in die Geschichte ein, dass Sigismund den tschechischen Reformator Jan Hus entgegen der Zusage auf freies Geleit verhaften und 1415 als Ketzer verbrennen ließ.
In Berthold Brechts (1898-1956) Drama "Mutter Courage und ihre Kinder" wird von mit dem Heer ziehenden Prostituierten - in diesem Fall im Dreißigjährigen Krieg - berichtet.
In Paris soll es Mitte des 19. Jahrhunderts über 120 000 Frauen und Mädchen gegeben haben, die sich gelegentlich oder ständig für Geld Männern zur Verfügung stellten.
Trotz ständiger Versuche von Kirchen, Organisationen, Behörden oder der Justiz die Prostitution zu verbieten oder zumindest zu kontrollieren, hat sie sich stets diesem Zugriff zu entziehen verstanden. Oft werden Prostituierte im Auftrag staatlicher oder auch privater Organisatoren dazu benutzt, an Informationen über Menschen aus Politik, Wirtschaft oder anderen geschäftlichen Gruppen zu gelangen. Im Dritten Reich war z.B. aus diesem Grund ein bekanntes Berliner Hotel von oben bis unten mit Abhöreinrichtungen ausgestattet.