WIE KANN MAN SICH VOR EINER ANSTECKUNG SCHÜTZEN?
Aus der Broschüre der Österreichischen AIDS-Hilfe.
Das Schlagwort dazu heißt SICHERER SEX (SAFER SEX).
Darunter versteht man die Vermeidung von Sexualpraktiken, bei denen Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit des einen Partners in die Blutbahn des anderen Partners gelangen könnte.
Folgendes ist bei den einzelnen Sexualpraktiken zu beachten:
Küssen:
Eine Übertragung des HIV beim Küssen wurde bisher nicht nachgewiesen. Liebesbisse sollten vermieden werden, ebenso Verletzungen durch zu heftiges Saugen und Beißen an den Brustwarzen.
Vorspiel ("Fingerln"):
Verletzungen durch die Fingernägel der Gäste sollten ausgeschlossen werden.
Wichsen (Russische Massage):
Sperma sollte nicht auf der Haut verrieben werden, denn durch kleinste, nicht sichtbare Verletzungen an der Haut könnten Viren in den Körper gelangen. Bei frischen Verletzungen oder Wunden sollten entweder Handschuhe oder ein Präservativ verwendet werden, da sonst eventuell Sperma und damit Viren über diese Verletzungen in die Blutbahn gelangen könnten.
Französisch (Blasen, Mund- bzw. Oralverkehr):
Verletzungen der Mundschleimhaut, der Zunge, der Lippen oder des Zahnfleisches (etwa durchs Zähneputzen) stellen mögliche Eintrittspforten für das Virus dar. Daher keinen Samenerguß in den Mund zulassen! Läßt sich dies nicht vermeiden, sollte der Samen nicht geschluckt, sondern gleich ausgespuckt werden. Wie beim eventuellen Platzen des Präservativs sollte Mund und Rachen sofort mit einem Mund-Desinfektionsmittel ausgespült werden. (Die Gebrauchsanweisungen sind dabei zu beachten.) Auch der Freuden- bzw. Lusttropfen, der als körpereigenes Gleitmittel abgesondert wird, sobald der Penis steif ist, kann Viren enthalten. Jüngsten Untersuchungen zufolge scheint Mundverkehr zwar ein geringes Ansteckungsrisiko darzustellen, dennoch sollte man auf eine "Ohne-Service" dabei möglichst verzichten, bis diese Frage eindeutig geklärt ist.
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Für den Mann hingegen stellt das Geblasen-Werden kaum ein Risiko dar, denn meist fehlen dafür die Voraussetzungen: die virushältige Körperflüssigkeit (außer der "blasende" Partner hat eine blutende Wunde im Mundbereich) sowie die Eintrittspforte (außer der "Geblasene" hat eine frische Verletzung am Penis).
Beim Cunnilingus (Lecken am Geschlechtsteil der Frau) ist eine Ansteckungsmöglichkeit ebenfalls eher für den aktiven Partner gegeben, falls er Verletzungen im Mundbereich aufweist, über die eventuell infektiöse Scheidenflüssigkeit in die Blutbahn eindringen könnte. Dieses Risiko erhöht sich während der Regel der Frau durch möglicherweise infektiöses Menstruationsblut.
Arschlecken ist für eine HIV-Ubertragung unter denselben Voraussetzungen wie bei anderen Sexualpraktiken riskant: Wenn eine Eintrittspforte (frische Verletzung im Mundbereich) vorhanden ist und eine virushältige Flüssigkeit (in diesem Fall Blut) auf diese frische Verletzung gelangen kann. Arschlecken ist daher vor allem für den leckenden Partner riskant, wenn er mit Blut in Kontakt kommen könnte. Daher sollten Verletzungen des Afters und Enddarms vor dem Lecken vermieden werden. Das heißt, man sollte vorher keinen Analverkehr haben und keine Vibratoren oder andere Gegenstände in den After einführen. Auf Hämorrhoiden sollte ebenfalls geachtet werden.
Der "Normale" oder Vaginalverkehr:
Beim Vaginalverkehr sollte unbedingt ein Präservativ (Gummi, Kondom) verwendet werden. Die Schleimhaut der Scheide ist zwar robuster als die Analschleimhaut, es können trotzdem, gerade durch die große Anzahl von Geschlechtsakten, Verletzungen entstehen, durch die Viren aus dem Sperma des Gastes in die eigene Blutbahn gelangen können.
Beim Überziehen des Präservativs ist darauf zu achten, dass es nicht durch spitze Fingernägel beschädigt wird.
Um ein Platzen des Gummis zu vermeiden, sollte auch die Scheide nicht trocken sein. Als Gleitmittel sollten allerdings weder Spucke (schon gar nicht die des Gastes) noch auf Fettbasis hergestellte Gleitmittel (z.B. Vaseline) oder (Massage-)Öle verwendet werden, da diese den Gummi porös machen können. Am geeignetsten sind wasserlösliche Gleitmittel (Gele).
Nach dem Geschlechtsverkehr ist der Gummi sofort am Ende festzuhalten, da sonst bei Erschlaffen des Gliedes das Kondom "abrutschen" und Samenflüssigkeit in die Scheide gelangen könnte.
Ein "Ohne-Service", also "ungeschützter" Vaginalverkehr, ist auch ohne Samenerguss in der Scheide nicht völlig risikolos, da - wie erwähnt - der Lusttropfen Viren enthalten kann. Die Möglichkeit einer Blut-zu-Blut-Übertragung bei Verletzungen am Penis des Gastes bleibt bestehen. Wie man aus Erfahrungen bei der Schwangerschaftsverhütung weiß, ist es auch keine sichere Methode, den Geschlechtsakt vor dem Orgasmus zu unterbrechen, denn der Zeitpunkt des Samenergusses kann "übersehen" werden.
Auch der Mann kann sich beim Vaginalverkehr mit dem HIV anstecken, z. B. bei frischen Verletzungen am Penis oder an der Harnröhre.
Griechisch (Analverkehr):
Ungeschützter Analverkehr ist die Sexualpraktik, die das größte Ansteckungsrisiko birgt. Die Analschleimhaut wird bei jedem Analverkehr verletzt. Daher sollte beim Analverkehr auf keinen Fall ein "Ohne-Service angeboten werden! Auch für den Freier ist der Analverkehr mit einem größeren Risiko verbunden, da es dabei leichter zu Verletzungen an seinem Penis kommen kann als beim Vaginalverkehr. Darüber hinaus besteht beimVaginal- und Analverkehr die theoretische Möglichkeit, sich am Sperma des unmittelbaren Vorgängers anzustecken.
Vibratoren (Gummischwänze /Dildos), Analdehnungsgeräte:
Solange diese nur von einem Partner benützt werden, stellen sie kein Risiko für eine HIV-Infektion dar. Ein Austausch ohne vorherige Desinfektion sollte jedoch vermieden werden. Wenn diese Sex-Spielzeuge am Gast verwendet werden, ist das Überstülpen eines Präservativs, das man nachher mühelos entfernen kann, ratsam.
Einläufe (Klistiere, Darmspülungen):
Bei Anwendung am Partner sollte man darauf achten, dass seine Ausscheidungen nicht mit den eigenen Schleimhäuten oder mit Verletzungen an der eigenen Körperhaut in Berührung kommen. Selbstverständlich müssen nach jeder Anwendung am Gast die Klistiergeräte (Endstück, Darmrohr etc.) entsprechend desinfiziert werden, um den nächsten Gast nicht zu gefährden.
Faustficken:
Beim Faustficken kann es zu einem Austausch von Blut kommen, wenn kleine Wunden an der Hand, z. B. am Fingernagelbett, vorhanden sind. Diese Möglichkeit kann durch die Verwendung geeigneter reißfester Gummi- oder Plastikhandschuhe vermieden werden.
Natursekt (NS, Champagner, Urinspiele) und Kaviar (Kotspiele):
Da die Viruskonzentration im Urin und Kot gering ist, ist dieses Service relativ risikoarm, dennoch sollte man darauf achten, daß fremder Urin und Kot nicht auf die eigenen Schleimhäute von Mund, Vagina und After und auf keine offenen Wunden oder Verletzungen der Körperhaut gelangen. Daher sollten Urin und Kot weder auf der Haut verrieben, noch in den Mund aufgenommen werden.
Sado-/Maso-Spiel (Domina, Englisch, Strenge Erziehung):
Dieses Service ist ungefährlich, solange nur einer blutet und kein Kontakt mit fremdem Blut besteht. Kommen andere Praktiken wie etwa Geschlechtsverkehr hinzu, bestehen die oben genannten Risiken und Vorbeugemaßnahmen.
Am besten auch bei diesen Praktiken Handschuhe verwenden! Brust- und Hodenklammern sowie Penisgeißeln und dergleichen nach jedem Gast zu desinfizieren!
Lesbenshow (Doppelnummer):
Das Risiko beim Kontakt zu einer anderen Frau ist gering, weil Sperma hierbei keine Rolle spielt, es sei denn, die Partnerin hat vorher "Ohne"-Geschlechtsverkehr mit einem Mann gehabt. Aber auch hier sind Fingernagel- und Bißverletzungen zu vermeiden. Vorsicht beim Umgang mit Blut (auch Menstruationsblut) der Partnerin.
Badespiele:
Der Kontakt mit Wasser und das Arbeiten in feuchter, warmer Umgebung erhöht das Ansteckungsrisiko nicht!
Arbeiten während der Regel (Monatsblutung):
Bei Sexualverkehr ohne Präservativ besteht während der Monatsblutung eine noch größere Ansteckungsgefahr, da der Gebärmuttermund weiter als sonst geöffnet ist und daher Krankheitserreger leichter in die Gebärmutter eindringen können. Während der Regel kann weder ein "Schwämmchen", noch ein Tampon, noch Watte vor dieser erhöhten Ansteckungsgefahr bei einem "Ohne-Service" schützen. Ganz abgesehen davon bleibt die immer gegebene Ansteckungsgefahr beim Vaginalverkehr ohne Präservativ natürlich auch während der Regel bestehen.
Durch Menstruationsblut erhöht sich die Ansteckungsgefahr für den Freier bei allen Sexualpraktiken, bei denen Menstruationsblut auf offene Wunden bzw. Verletzungen von Schleimhäuten kommen könnte.
Den einzig wirksamen Schutz stellt die Verwendung von Kondomen dar!
Die Spirale als Verhütungsmittel:
Die Spirale birgt ein Infektionsrisiko, da das Fädchen, das zur leichteren Entfernung der Spirale meist etwas aus dem Gebärmuttermund herausragt, Viren und Krankheitserregern den Weg in das Innere der Gebärmutter erleichtern kann.
Scheidendesinfektion, Spermatötende Mittel:
Scheidenspülungen mit bakterien- und virusabtötenden Mitteln (u. a. Lysoform, Sagrotan) sollten höchstens einmal pro Tag gemacht werden. Bei öfterem Gebrauch wird die natürliche Scheidenflora zerstört und die Schleimhaut angegriffen. Sie wird dadurch empfindlicher und verletzlicher.
Für spermatötende Mittel gilt im Prinzip dasselbe.
Suchtgift:
Prostituierte, die sich Drogen intravenös verabreichen ("fixen"), müssen darauf achten, dass sie niemals Nadeln oder Spritzen verwenden, die vorher bereits andere Personen benützt haben. Die sicherste Art, sich auf diesem Weg nicht mit dem HIV zu infizieren, ist klarerweise ein Entzug und eine Entwöhnung.
Wer dies (noch) nicht schafft, sollte immer Einmalnadeln und -spritzen verwenden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte man immer nur die eigene Nadel und Spritze wiederverwenden und an niemand anderen weitergeben.